Als das Fahrrad Ende des 19. Jahrhunderts für die Massen zugänglich wurde, brach in Großbritannien oder auch Deutschland eine Art Panik aus. Nicht nur, weil das Radeln zu dieser Zeit noch extrem gefährlich war, sondern auch, weil Frauen das Fahrradfahren für sich entdeckten und vor allem männliche Mediziner die verrücktesten Krankheiten aus der Schublade packten, um Frauen vor dem Radfahren zu warnen und davon abzuhalten. Eine dieser erfundenen Krankheiten: Das Bicycle Face. Meine Recherche in den Zeitfragen von Deutschlandfunk Kultur.
Es gibt Alltagsgegenstände, die benutzen wir so selbstverständlich, dass wir uns selten darüber Gedanken machen, wie umkämpft sie vielleicht einmal waren. Zum Beispiel: das Fahrrad – zumindest, wenn es um das Fahrradfahren für Frauen geht. Bis heute gibt es Länder, in denen Frauen beschimpft oder angegriffen werden, wenn sie in der Öffentlichkeit auf ein Rad steigen; in Afghanistan oder im Iran ist das so. Und auch in Europa war Fahrradfahren für Frauen erstmal keine Selbstverständlichkeit: Als das Fahrrad Ende des 19. Jahrhunderts für die Massen zugänglich wird, löst das regelrecht eine gesellschaftliche Panik aus – bis hin zu erfundenen Krankheiten, die Frauen vom Rad fernhalten sollten.
Dazu habe ich für Deutschlandfunk Kultur recherchiert und mit Alex Jontschew, Gründerin des Cyclits Cycling Collective aus Köln, mit Historikerin Kerstin Wolff vom Archiv der deutschen Frauenbewegung und mit Tamsin Johnson, PHD an der Nottingham Trent University, gesprochen.
Bildrechte: ‚To a Lady Scorcher‘ aus dem Stranger’s Hall Museum in Norwich
